Robert und Clara Schumann in Düsseldorf
Die Jahre 1850 bis 1854 zählen zu den ereignisreichsten im Leben der Schumanns. Düsseldorf wurde zum Schauplatz großer künstlerischer Erfolge, neuer Begegnungen und tiefgreifender persönlicher Veränderungen.
Als Robert und Clara Schumann mit bereits fünf Kindern 1850 aus Dresden in Düsseldorf ankamen, zählte die Stadt knapp 45.000 Einwohner, einschließlich der hier stationierten preußischen Garnison. Düsseldorf war eine ansehnliche, durch Beamte und Künstler geprägte Stadt, Hauptstadt der preußischen Rheinprovinz.
Ihr besonderes Profil in künstlerischer Hinsicht verdankte die Stadt zu jener Zeit zwei besonderen kulturellen Einrichtungen: Die seit 1818 bestehenden „Niederrheinischen Musikfeste“, die alljährlich im Wechsel zwischen Köln, Elberfeld, Aachen und Düsseldorf stattfanden, sowie die berühmte „Königlich-Preußische Kunstakademie“, die ab 1826 zu hohem Ansehen gelangte. Die freischaffenden Künstler versammelten sich in einer 1848 gegründeten und „Malkasten“ genannten Künstlervereinigung, zu der die Schumanns rege Kontakte pflegten.
Nach ihrem Eintreffen logierten die Schumanns zunächst im vornehmen Hotel „Breidenbacher Hof“. Danach hatten sie nicht weniger als vier gemeinsame Wohnungen in der Düsseldorfer Innenstadt, darunter eine an der heutigen Königsallee. Als deren letzte bezogen sie 1852 zwei Etagen im Hause Bilker Straße 1032, heute Nr. 15 und Adresse des „Schumann-Haus“-Museums. Franz Liszt kam nach Düsseldorf auf Besuch, ebenso der junge Johannes Brahms. Die Weichen für die lebenslange tiefe Freundschaft Claras zu Johannes Brahms und Joseph Joachim wurden ebenfalls hier gestellt.
Das Angebot der Position eines „Städtischen Musikdirektors“, die erste und einzige feste Stellung dieser Art in Roberts Leben, hatte ihn nach Düsseldorf gelockt. Vorgänger in einer ähnlichen Leitungsposition waren unter anderen Louis Spohr und Felix Mendelssohn-Bartholdy gewesen. Schumann musste pflichtgemäß zehn Abonnementkonzerte mit dem Orchester und dem Chor des „Städtischen Musikvereins“ sowie jährlich vier Kirchenkonzerte gestalten und leiten. Diese berufliche Situation wurde jedoch für den hochsensiblen Schumann zunehmend problematisch. Er konnte sich weder bei den Honoratioren noch bei den Musikern Anerkennung verschaffen. Das von ihm ausgewählte schwierige Repertoire erregte bei Musikern wie Publikum Widerstand und zu seiner verschlossen wirkenden Art kamen zunehmend Symptome einer psychischen Erkrankung.
Clara wurde indes als Pianistin in Düsseldorf sofort enthusiastisch aufgenommen. Gerade im Rheinland erzielte sie auch fortan große Erfolge. Düsseldorfs günstige Lage bot ihr in Köln, Barmen, Elberfeld, Krefeld und Bonn rasch zu erreichende Konzertiermöglichkeiten mit guten Orchestern und Musikern. Auch zum Komponieren fand Clara Schumann nach einer fünfjährigen Pause wieder Zeit. Zwei Kinder gebar Clara Schumann schließlich noch in Düsseldorf: 1851 als siebtes Kind Eugenie und 1854 den jüngsten und letzten Sohn Felix.
Roberts Zeit in Düsseldorf fand sodann ein abruptes und tragisches Ende: Am Rosenmontag 1854 unternahm Schumann einen Selbstmordversuch mit einem Sprung in den Rhein. Nach seiner Rettung betrieb er selber die Aufnahme in eine Nervenheilanstalt und verbrachte die letzten zwei Lebensjahre als Patient einer Privatklinik in Endenich bei Bonn.
Clara hingegen zog schon im Jahr nach seiner Einweisung in die Heilanstalt in die Poststraße nahe dem Schwanenmarkt um, wo auch Johannes Brahms eine Zeitlang im Erdgeschoss des Hauses wohnte. 1857 übersiedelte sie schließlich nach Berlin, später nach Frankfurt und überlebte ihren Mann um vierzig Jahre.
Mit der Zeit in Düsseldorf endet, von wenigen fragmentarischen Kompositionen abgesehen, auch Schumanns künstlerisches Schaffen, das sich gerade während jener Jahre besonders umfangreich entwickelt hatte: Nicht weniger als ein Drittel seines gesamten kompositorischen Oeuvres entstand in Düsseldorf, darunter als eines seiner bis heute populärsten Werke die dritte Symphonie, genannt die „Rheinische“.
Lebendigen Einblick in die ereignisreichen Jahre der Schumanns in Düsseldorf bietet die Ausstellung des „Schumann-Haus“-Museums.